Studenten und Besucher zeigen ihr Können
LVZ - Tag der offenen Tür 2015

Der große Andrang war es nicht. Verhalten startete am Donnerstag der Tag der offenen Tür an der Theaterakademie Sachsen im Oberen Bahnhof, nur ein paar Neugierige blickten hinter die Ausbildungskulissen. Dass ganze Busladungen voll Menschen kommen, ist an solchen Tagen auch nicht Plan der Akademie. Denn auch so bringt er was: "Einige haben sich gleich für den Aufnahmeworkshop angemeldet", deutet Cathrin Moeller, zuständig für die pädagogische Leitung an der Akademie, am Ende des Tages einen Erfolg. Am Wochenende 31. Januar/1. Februar können sich Interessierte im Oberen Bahnhof mit den Fächern vertraut machen. Bei erfolgreicher Absolvierung ersetzt dies die Teilnahme an einer Eignungsprüfung.
"Ja, das hier wäre schon was für mich", sitzt mit großen Augen Franziska Linke am Donnerstag im Saal der Theaterakademie Sachsen und schaut dem Unterricht in Schauspiel-Grundlagen bei Joachim Unger zu. Gerade sollen die Studenten eine Szene improvisieren, in der sich einer in den anderen verliebt. Unger lässt seine Schüler machen, wirft immer mal ein "Genau! Ja! So!" ein, wenn ihm gefällt, was er sieht. "Und denkt dran, dass ihr das Gezeigte reproduzierbar machen müsst, ihr müsst es wieder spielen können", erinnert der Dozent seine Klasse, "unsere Aufgabe auf der Bühne ist es, das Besondere eines Vorgangs zu erzählen." Lockere Atmosphäre bei intensiver Arbeit, die 26-jährige Franziska aus Leipzig ist froh, den Weg nach Delitzsch gefunden zu haben. "Ich habe einfach nach Schauspielschulen im Raum Leipzig gesucht und bin auf die Akademie gestoßen", sagt sie. Dass es keine Altersbegrenzung für die Aufnahme an der Akademie gibt, hat sie erst recht überzeugt. "Ich will mich neu orientieren", so die gelernte Kinderkrankenschwester.
Weniger an Schauspiel-Grundlagen-Seminar, dem Tanz- und Bewegungsunterricht oder der Sprecherziehung sind dagegen Renate und Manfred Springer interessiert. Das Rentnerpaar aus Delitzsch ist gekommen, um zu sehen, was aus dem früheren Bahnhof geworden ist. Die Akademie gebe es zwar schon eine Weile, doch nun hätte sie die Neugier einfach richtig gepackt, sagt Renate Springer. "Es ist schön zu sehen, mit welcher Intensität diese jungen Leute ihre Ausbildung verfolgen und wie sie an sich arbeiten", schwärmt die Seniorin, "sonst kann unsereins doch nicht wissen, wie so eine Schauspielausbildung eigentlich abläuft".

Kleine Bühne: Musical- und Schauspielstudenten des 5. und 6. Semesters legen eine spontane Session für die Gäste zum Tag der offenen Tür ein.


Foto: Wolfgang Sens
Text: Christine Jacob

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